Internetliebe

 

Gefühle oft geheuchelt
Lügen
Verrat
Das Spiel mit Gefühlen
oft am eigenen Herzen erfahren

Internetliebe
Die ewige Suche
nach dem besonderm Kick
Internetliebe
oft eine Liebe
die Träume zerbricht

Ehrlichkeit?
Sehr selten im weitem Net
doch die Hoffnung darauf
die lebt weiter in uns

Internetliebe
doch als ich deine Augen sah
sah ich die Ehrlichkeit darin
da war keine Heuchelei zu sehen darin

Internetliebe
doch möglich?
doch real?
Liebe ein Leben lang?
Deine Worte waren ehrlich
als du sagtest du glaubst nicht mehr daran

Was ist es
das dich nun doch glauben läßt?
Ein Kabel und ein Netz?
Der Glauben an das Internet? :-)
Wohl kaum

Internetliebe
so vielen schon passiert
was daraus wird
liegt ganz allein an dir
und an dem Menschen
der da an der anderen Seite der Tasten sitzt

Internetliebe
etwas das man nie begreifen wird
das nur aus Gesprächen entsteht
aus Träumen die man sonst nicht erzählt
Internetliebe
wunderschön
wenn sie aus Ehrlichkeit entsteht

Überraschende Internetliebe

 

An einem warmen Augustabend setzte ich mich an den PC und loggte mich in das Chatprogramm ein. Ich suchte nichts Bestimmtes, wollte mich nur nett unterhalten, denn mit Internetbekanntschaften hatte ich nur schlechte Erfahrungen gemacht. Nach einiger Zeit merkte ich, da ich mich mit einem gewissen “Bär” sehr gut unterhalten konnte. Er hob sich angenehm von den sonstigen oberflächlichen Gesprächen die sonst so in Chatprogrammen ablaufen ab. Er war seit kurzem verheiratet und wir redeten eine volle Stunde über die Welt  und das Leben und verabredeten uns mal wieder zu chatten. Ich dachte mir, na ja, wer weiß ob der Dich noch mal an- spricht. Einige Tage später war ich abends wieder in diesem Chatprogramm und nach wenigen Minuten sprach mich Bär an. Er freute sich riesig mich endlich mal wieder zu treffen. Ich muße mir selber zugeben, daß auch ich mich freute. Wir unterhielten uns diesmal mehrere Stunden und ich erfuhr einiges über sein Leben und seine Einstellungen. Im Laufe der nächsten Wochen erfuhr ich immer mehr über Bär und stellte fest, daß wir beide ganz ähnliche Einstellungen und Vorlieben haben. Ich dachte mir: typisch ich, endlich mal ein Mann mit dem du eine Wellenlänge hast, dann ist er verheiratet. Ich erzählte lustig und vergnügt über meine Erlebnisse bei Treffen mit Chatbekanntschaften. Er war voller Humor dabei und wir unterhielten uns im Laufe der Tage und Wochen immer besser. Irgendwann fragte er mich, ob ich mich jemals per Internet verliebt hätte. Mir wurde ganz mulmig zumute und dachte:  jetzt wird es gefährlich. Ich wollte absolut nichts weiter von Bär als eine nette Chatbekanntschaft, wohlwissend, daß es schon viel persönlicher geworden war.

Ich war traurig, daß ich diesen absolut sympatischen Mann wohl nie näher kennenlernen würde, denn er war  ja verheiratet und das respektiere ich immer. Etliche nächtliche Chatstunden hat er mich dann irgendwann völlig überrascht. Er schrieb, daß er mich lieb  und sich schon total an mich gewöhnt hätte. Tja, das war genau das, was ich nicht wollte. Aber auch ich empfand schon viel mehr für Bär, als ich mir selber eingestehen wollte. Bär sprach von persönlichem Kennenlernen und redete nur noch über uns. Ich zweifelte seine Gefühle für mich nicht an und überlegte, ob ich mich darauf einlassen sollte. Ich hatte keine Wahl, mußte mich einfach mit ihm treffen und sehen, ob die Gefühle auch live so rüberkamen. Kurzerhand schlug ich ein Treffen mit ihm vor. Ich war total aufgeregt, als ich dann zum verabredeten Treffpunkt kam und sein Auto zum ersten Mal sah. Er stieg aus und mein erster Gedanke war, oh, der sieht ja auch noch gut aus. Wir gingen aufeindander zu und ich wollte ihm völlig neutral die Hand zum Gruß geben. Er gab mir spontan einen leichten Kuß auf die Wange. Sofort ging ein Kribbeln durch meinen ganzen Körper und ich schaute ihm direkt in die Augen. Meine Gefühle spielten Purzelbaum. Wir gingen neben einander in ein Bistro und setzen uns an einen kleinen Ecktisch. Zwischen uns flogen nur so die Funken und nach einer halben Stunde war uns beiden klar, daß wir die nächsten Stunden gemeinsam verbringen würden. Wie selbstverständlich gingen wir Hand in Hand zu dem kleinen Hotel das ich für mich gebucht hatte und gingen auf das Zimmer. Die Tür war noch nicht ganz zu, schon flogen wir uns in die Arme und verströmten nur noch Liebe und heißblütige Erotik. Die nächsten 6 Stunden waren ein einziger Liebesrausch und wir erlebten beide (wie wir uns nachher gegenseitig gestanden haben) unsere schönste Liebesnacht. Die Harmonie zwischen uns war unbeschreiblich und ich dachte: Ein Wunder ist geschehen, Du hast den absolut perfekten Mann für Dich gefunden. Nach diesen glücklichen Stunden gingen wir gemeinsam aus dem Hotel, denn er mußte nach Hause und ich hatte keine Lust alleine in dem Zimmer zu bleiben. Bär war abweisend zu mir und ich sah ihm an, wie es in seinem Kopf brodelte. Mein euphorisches Glücksgefühl bekam einen kräftigen Dämpfer und ich schluckte meine Enttäuschung runter. Der Gedanke  an eine einmalige Sache kam schleichend in mir auf und ich wurde traurig, ließ es mir aber nicht anmerken. Wir trenn- ten uns, keiner sprach ein Wort zuviel. Ich war so durcheinander, daß ich mich auf der Rückfahrt hoffnungslos verfuhr. Ich hatte die schönsten Liebesstunden meines ganzen Lebens erlebt und würde diesen Mann wohl nie wieder sehen. Es brodelte in mir und ich beschloß dieses Abenteuer als schönes Einzelerlebnis im Gedächtnis zu behalten und nichts weiter zu erwarten. Er wollte wohl wie viele Männer nur mal mit einer fremden Frau Spaß haben. Der nächste Tag verging und am folgenden Abend erhielt ich von Bär eine Mail. Es war das absolute Schönste, was mir je ein Mann geschrieben hatte. Er entschuldigte sich für sein Verhalten danach und sprach von seinen Gedanken, bisher im Leben immer nur den falschen Frauen begegnet zu sein. Er hätte sich absolut in mich verliebt und grübele jetzt über die Konsequenzen dieser Erkenntnis nach. Ich schwebte auf Wolke 7 und glaubte auf einmal daran, daß auch ich im Leben mal Glück haben würde. Wir unterhielten uns ab diesem Zeitpunkt täglich per Telefon und chatteten stundenlang miteinander. Die Schmetterlinge im Bauch begannen zu flattern. Ich erlebte total glückliche Wochen und fühlte mich geliebt. Wir wollten uns so schnell wie möglich wiedersehen, diesmal sollte es bei mir sein. Er dachte sich einen Grund aus, ein Wochenende von zu Hause abwesend zu sein und wir planten die Zeit gut vor. Es kam der Tag und er kam in meine Wohnung. Wir begrüßten uns überglücklich. Nach einigen Minuten merkte ich, daß diesmal etwas anders war. Irgendetwas stand zwischen uns. Wir liebten uns, aber auch dabei bemerkte ich, daß er voller fremder Gedanken war. Ich sprach ihn darauf an, und er gab zu, voller Zweifel zu sein, ob er das Richtige mache. Ich fiel sofort von meiner Wolke 7 runter. Wir redeten stundenlang über unsere Gefühle, seine Frau, meine und seine Vorstellungen und ich merkte, daß er nicht ganz bei mir sein konnte. Ich war traurig und sah ein, daß ich Gefühle nicht erzwingen konnte. Die Nacht ver brachte ich grübelnd und traurig neben ihm, wir beide waren wohl das traurigste Liebespaar, was jemals voller gegenseitiger Liebe war. Alle Komplimente und Zärtlichkeiten konnten mich nicht umstimmen, ich wußte wie es um uns stand. Am nächsten Morgen trennten wir uns und ich war wieder alleine in meiner Wohnung. Das Wochenende sollte der Anfang meines Zukunftsglück werden. Es wurde der Anfang eines schmerzhaften Abschieds der auch nach einigen Monaten noch nicht ganz verheilt ist.   

Fremde Stadt

 

Fremde Stadt, neuer Job, Susanne fühlte sich noch etwas verloren in ihrem neuen Lebensalltag. Tagsüber war sie in ihrem Job gefordert, brauchte ihre ganze Energie und Konzentration um den neuen, an sie gestellten Anforderungen gerecht zu werden.

Abends wenn sie dann alleine in ihre kleine Wohnung heimkehrte, fiel alle Anspannung von ihr ab und es blieb die Frage "was nun"? Manchmal fühlte sie sich in ihren eigenen 4 Wänden etwas verloren, vermißte einen Gesprächspartner, aber nicht immer hatte sie die Kraft und Lust noch wieder raus zu gehen, um Leute kennen zu lernen. Dafür musste man schon in Stimmung sein und auch das machte mehr Spaß, wenn man es in einer Clique oder mit einer Freundin tat.

Susanne war nicht alleine mit diesem Gefühl, in jeder Stadt gibt es Tausende Gleichgesinnter, die Zahl der Singles nimmt immer mehr zu. Man muss nur eine Gelegenheit finden, sich zu begegnen. Aber das war ja nun eigentlich nicht mehr so schwer .....

Man braucht dafür nicht mal seine Wohnung zu verlassen. Das Einzige, was nötig ist, ist ein Computer und ein Internetanschluß und schon kann man die ganze Welt treffen, kann Mensch sein und doch anonym.

Auch Susanne entdeckte also diese neue Form der Kommunikation und lernte innerhalb kurzer Zeit die unterschiedlichsten Menschen kennen. Ohne Scheu begab sie sich in die diversen Chatrooms und ließ sich neugierig und gespannt auf die vielen neuen Kontakte ein. Im Nu gab es keine abendliche Langeweile mehr, sie verbrachte viele vergnügliche Abende und Nächte im Netz der unbegrenzten Möglichkeiten. Teilweise vergass sie sogar ganz die Umgebung um sich herum von der Uhr mal ganz zu schweigen.

Ganz unkompliziert ergab sich auch mal der eine oder andere Flirt und da man vor dem Bildschirm ja nichts zu verlieren hatte und keiner Gefahr ausgesetzt war, bestand keinerlei Risiko, das einen zurückhielt sich darauf einzulassen - glaubte sie und rechnete nicht damit, dass es immer ein Risiko ist, wenn Gefühle im Spiel sind.

Natürliche Grenzen, die sie sich im realen Leben aus Eigenschutz erstellt hatte, verwischten sich nun im Internet. Sie genoß es, so ehrlich sein zu können und wenn sie auf jemanden traf, der sie gedanklich berührte, dann fiel es im Chat oder in E-Mails viel leichter sich zu öffnen und sein Seelenleben zu offenbaren. Und wenn der Chatpartner darauf einging, dann fühlte sie sich so verstanden und gut aufgehoben, dass sich manchmal ganz automatisch ein Kribbeln im Bauch ergab.

Worte die direkt ins Herz gehen, sitzen tief - das ist eine so neue Erfahrung, dass alle, die sich wie selbstverständlich im Internet bewegen, noch gar nicht ahnen, welche Gefahr damit auch verbunden ist

Auch Susanne war dieser Gefahr ausgesetzt und erlebte bald erste Enttäuschungen. Das Chatfreunde plötzlich einfach ausblieben, weil sie keine Zeit mehr hatten oder sie stellte fest, dass es daneben noch 5 oder 10 weitere Chatbekannte gab, mit denen genauso intensiv geflirtet wurde, wenn sie einmal verhindert war. Ganz offen wurde darüber geredet und in den dazugehörigen Gästebüchern konnte jeder nachlesen, wem der Gästebuchinhaber alles zugetan war. Es wurde geknuddelt und geknutscht, was die Frage aufwarf, was bedeuten Worte, die so leicht dahin geschrieben werden eigentlich noch ? Darauf angesprochen erhielt man meist eine schroffe Antwort, schließlich war hier niemand niemandem verpflichtet. Es handelte sich nicht um Beziehungen im herkömmlichen Sinn, sondern um - ja um was?

Gibt es dafür überhaupt schon eine Definition oder ist es letztlich doch nur jeder Einzelne vor seinem Bildschirm - nur für sich alleine verantwortlich, in einer Gemeinschaft der Illusionen, in der niemand einem anderen etwas schuldet, jeder nur für sich selbst verantwortlich ist ohne dabei auch nur ein Quentchen seiner Freiheit einzubüßen?

Mühsam musste Susanne den Umgang und ihr Verhältnis zu diesem neuen Medium lernen und dabei auch so manche menschliche Enttäuschung wegstecken. Dann traf sie auf Mike und alle Bedenken lösten sich in Luft auf. Sie verstanden sich auf Anhieb und hatten viel zu lachen im Chat.

Die Finger rauchten und die Tastatur ächzte unter der Beanspruchung, die Zeit verflog im Nu, an manchen Tagen chatteten sie bis zu 5 Stunden.
Sie schrieben sich gegenseitig Gedichte und tauschten sich anschließend darüber aus.

Sie "redeten" über Gott und die Welt, aber auch über sehr bewegende, persönliche Dinge. Susanne wunderte sich, wie schnell sie ihre Schranken fallen ließ. Alle Bedenken aus ihren bisherigen Erfahrungen wurden beiseite gewischt, es war einfach zu verlockend. Dieses Gefühl des "Verstanden-sein" kam einem Gefühl der Geborgenheit gleich und ist es nicht das, was wir uns alle wünschen?

Es folgten SMS Nachrichten aufs Handy in Hülle und Fülle, die Susanne manchmal sogar in Bedrängnis brachten. Sie alle zu beantworten, beanspruchte mehr Zeit als sie zur Verfügung hatte, dennoch fühlte sie sich wunderbar. Schmetterlinge im Bauch war plötzlich alles so leicht und hell um sie herum, dabei hatte sie Mike noch nie im Leben gesehen, lediglich Fotos hatten sie ausgetauscht. Es war eine Mischung aus den verschiedensten Gefühlen, die von ihr Besitz ergriffen. Neugier auf den Reiz des Unbekannten, Freude über die Aufmerksamkeit, die ihr entgegen gebracht wurde, Sehnsucht, wenn sie einmal einen Tag keine Nachricht erhielt und die überaus spannende Frage, was geschehen würde, wenn sie sich gegenüber stehen würden.

Doch zunächst war das nicht geplant. Erstmal telefonierten sie, auch das war wieder einen Schritt näher heran und seine Stimme erschien ihr sofort vertraut, sympathisch, sie fühlte sich, als würden sie sich ihr Leben lang kennen, ihm ging es ähnlich. Einerseits schön, andererseits verwirrend, dass man eine Verbindung auf rein psychischer Basis angeht ohne körperliche Berührung.

Nicht nur sie öffnete sich, auch Mike ging sehr ehrlich mit seinen Gefühlen und Gedanken um.

Bis zu jenem Abend, als sie gereizt von der Arbeit kam und sich nach Trost sehnte. Sie fieberte der virtuellen Verabredung mit Mike entgegen, sie brauchte heute ein wenig Halt und vor allem Geborgenheit, so albern das auch klingen mochte im Bezug auf eine "Internetliebe", aber seine Worte konnten ihr Wärme geben. Und dann lief alles schief, was schief laufen konnte.
Mike erschien nicht zur verabredeten Zeit und sie kam sich abgeschoben vor. Ihre Nerven waren überstrapaziert, sonst hätte sie daraus kein Drama gemacht, jedem konnte mal was dazwischen kommen, dafür gab es 1000 Gründe, nur heute, da fand sie eben keine Erklärung.

Nach 1 1/2 Stunden, sie saß immer noch verlassen im Chatraum, erschien er dann endlich und Susanne war nun bereits so überreizt, dass sie ihn sofort mit Vorwürfen überhäufte.
Er reagierte erst überrascht, dann schroff. Ein Wort gab das andere, die Anschuldigungen kamen jetzt von beiden Seiten und anders als bei einem persönlichen Gespräch, hörte man keine Betonung, sah weder Unsicherheiten noch Betroffenheit in den Augen des anderen, das ließ manche Bemerkung anders wirken. Die Mißverständnisse waren vorprogrammiert, die geschriebenen Worte lasen sich härter, als sie gemeint waren.

Am Ende blieb stummes Schweigen, Ratlosigkeit und viele Tränen.

Wie in jeder Beziehung, geht so ein Streit tief, vor allem wenn man noch so am Anfang steht, wie es bei ihr und Mike der Fall war. Erschwerend kam hinzu, dass auch jetzt nicht die Möglichkeit eines Augenkontaktes bestand, sie konnte nicht seine Hände nehmen und sich entschuldigen. Er konnte ihr nicht zärtlich-verlegen die Schulter streicheln und sie beruhigen, dass alles nur halb so schlimm war. Jedes geschriebene Wort sah plötzlich so platt aus, drückte nicht wirklich das aus, was sie fühlte.

Wer war schuld an diesem Streit? Konnte man überhaupt von Schuld reden, oder waren es einfach nur die Umstände die sie an diesen Punkt gebracht hatten?

Hatten sie sich beide einem Traum ergeben, in der jeder von ihnen seine Vorstellungen, Erwartungen und Wünsche auf den jeweils anderen projeziert hatte? Hatte ihre Begegnung ihr Austausch von Gedanken und Gefühlen je ein Bestand zur Realität gehabt oder war am Ende jeder doch nur für sich alleine gewesen und hatte sich "davon" geträumt?

Konnte so etwas überhaupt gut gehen? Wie wäre es ohne diesen Streit weiter gegangen? Vielleicht hätten sie sich eines Tages wirklich getroffen. Und dann? Hätte es dann den großen Knall gegeben oder hätten sie eine reelle Chance gehabt, daraus eine echte Beziehung zu machen? Einmal quer durch Deutschland - eine Wochenendbeziehung? Wie lange kann so etwas wirklich gut gehen?

Diese Fragen stellte sich Susanne jetzt. Es war einfacher die ganze Sache nüchtern zu betrachten, als sich nur im Kummer zu vergraben.
Dennoch es tat so weh. Was hätte sie dafür gegeben, noch einmal in Ruhe mit ihm sprechen zu können, wie gerne hätte sie die Zeit zurück gedreht.

Mike reagierte jedoch weder auf Mails noch auf SMS Nachrichten, es herrschte die totale Funkstille und Susanne fühlte sich so allein wie nie in ihrem Leben.

Blieb ihr wirklich nichts anderes übrig, als diese Geschichte als Erfahrung zu verbuchen, die man besser kein zweites Mal machen sollte?

 

Dennoch blieb die Frage, wie erkennt man ein solches Risiko rechtzeitig, ohne gleich mittendrin zu sitzen? Wie weit sollte man sich öffnen und andere - vor allem im Internet - an sich heran lassen. Wie funktioniert der Mittelweg, nicht unnahbar zu gelten und sich dennoch zu schützen?

Susanne hielt sich eigentlich für vorsichtig genug - doch offensichtlich hatte das dieses Mal nicht gereicht.

Fragen, die sich nicht nur Susanne und Mike stellen, sondern Hunderte von Usern, denen es ähnlich erging. Im Internet geht alles so viel schneller und wie es scheint unkomplizierter. Jeder sitzt allein vor seinem Bildschirm, der Partner ist nicht viel mehr als ein Fantasiegebilde, das vielleicht noch von einem schönen Foto verstärkt wird. Da sind Worte schnell geschrieben, aber sind wir uns immer bewußt,was wir mit diesen Worten beim anderen eventuell auslösen?

 

Tun wir alle, die wir von dieser neuen Kommunikationswelt so begeistert sind, uns einen Gefallen damit, wenn wir all diese Begegnungen nur als unverbindlich betrachten, als einen Ort, der uns zu nichts verpflichtet und von dem wir uns jederzeit wieder zurückziehen können?

 

Da gibt es die Gutgläubigen und die Leichtfertigen, wenn beide aufeinander treffen, kann das übel enden. Auch wenn es im Chatroom so viel leichter fällt, als im realen Leben und das wohl auch genau der Vorteil dieser Kommunikation ist, so sollten wir vielleicht doch sorgfältiger mit unseren Worten und mit den Partnern die wir dort treffen umgehen. Machen wir uns immer klar, wie leicht wir ein Herz verletzen können? Sind wir dafür dann nicht verantwortlich? Und sollte man sich dann einfach aus dem Staub machen, weil es der bequemste Weg ist?

Da gibt es wohl noch viel zu lernen, wollen wir nicht irgendwann nur mit den Seifenblasen jonglieren - und jedesmal wenn eine zerplatzt unsanft zu Boden fallen.

Susanne und Mike sind da möglicherweise hineingeschlittert ohne Absicht und ohne Fahrplan, der einem durch das Wort- und Gefühlswirrwarr hilft. Nachdem Susanne sich all dies gründlich überlegt hatte, kam sie zu dem Schluß, dass es einfach nur eine Verkettung ungünstiger Umstände war. Sie wollte noch nicht ganz aufgeben, auch wenn es so schien, als wollte Mike keinen Kontakt mehr mit ihr. So leicht durfte man nicht aufgeben, so flüchtig war ihre Begegnung nicht gewesen, als das man sich so einfach daraus zurückziehen konnte

Sie nahm sich vor, noch ein paar Tage zu warten, bis sie selbst wieder etwas zur Ruhe gekommen war, um ihm dann all ihre Gedanken aufzuschreiben, die Gefahren und Risiken des Internet inbegriffen.

 

Vielen geht es wie Susanne und Mike und sie bleiben mit einem traurigen Herzen und einer verletzten Seele zurück. Wie weit man aus sich heraus gehen darf, hängt davon ab, wie sorgfältig der andere damit umzugehen weiß und diese Forderung können wir uns alle gegenseitig stellen. Achtung, Respekt, Verständnis, Toleranz und Verantwortung füreinander, diese Spielregeln sollten auch im Internet gelten, wenn es funktionieren soll.

 

Liebe via Internet

 

Susanne konnte es nicht glauben, sie chattete seit wenigen Wochen mit einem Mann, der ihr so vertraut war. Liebe im Internet, nein, an so etwas konnte sie nicht glauben. Aber was ist das, irgendwie zog es sie doch immer wieder zum Computer hin und sie war glücklich, wenn es hieß, sie haben Post. Diese Mails hatten etwas besonderes, sie gaben ihr Kraft und sie blühte förmlich auf. Susanne hatte es wirklich nicht leicht gehabt in den letzten Jahren.

Ihre Ehe bestand eigentlich nur noch auf dem Papier und da war die Scheidung eigentlich nur noch reine Formsache. Anfangs hatte Uwe noch Zeit für sie, dann aber ging er in seiner Arbeit auf. Machte viele Überstunden und wenn er dann nach Hause kam, wollte er nur noch schlafen. Manchmal fragte Susanne sich, wie eigentlich ihre beiden Kinder entstanden sind, bei so wenigen Stunden zu zweit.

Natürlich haben sie sich einmal geliebt und Uwe meinte immer, ich mache das doch nur für euch, damit wir uns mal etwas leisten können, ohne immer auf jeden Cent schauen zu müssen. Nach dem Bau ihres wunderschönen Hauses, der Geburt der Kinder, hatten sie doch eigentlich alles, aber es reichte ihm nicht.

Es fehlte ihr an nichts, er zahlte für sie und den Kindern genug. Sie konnte in dem Haus alleine weiter wohnen, war schuldenfrei, was wollte sie mehr? Dennoch fehlte ihr etwas, die Geborgenheit und Wärme. Jemand an dem sie sich kuscheln konnte, der für sie da war.

Susanne seufzte und nach einem Blick zur Uhr, eilte sie in die Küche, um das Mittagessen vorzubereiten. Wieder war sie in Gedanken an diesem Uwe. Was für ein Zufall, ihr Mann hieß ebenfalls so und eigentlich wollte sie diesen Namen vergessen, denn es tat ihr immer noch weh, an ihrem Exmann zu denken. Dabei waren schon fünf Jahre vergangen. Die Kinder besuchten ihn regelmäßig und es gab da keine Probleme. Sie wollte ihn aber nicht sehen, damit die alten Narben nicht wieder aufplatzten. Warum konnte man sich mit ihm nicht so gut unterhalten, so wie sie es mit Uwe über den PC tat? Er wußte immer ein neues Thema, um sie zum Lachen zu bringen.

Eines abends schrieb Uwe ihr, soll ich dich besuchen? Susanne zuckte zusammen. Nein, sie hatte Angst vor der Enttäuschung, sie wollte noch warten. Uwe drängelte nicht weiter und schrieb, wenn du meinst, es sei Zeit, dann schreibe es mir.

Sie hatte ihm auch nicht ihre Telefonnummer gegeben, denn sie wollte das der Zauber am PC nicht vorbei geht. Mittlerweile hatte sie sich verliebt, obwohl sie es nicht wollte. Wenn sie in dem Monitor sah und ihre Hände auf den Tasten lagen, spürte sie seine Kraft, seine Gegenwart. Es prickelte regelrecht. Es war einfach herrlich. So ging es einige Wochen, Monate weiter.

Es war an einem Sonntagmorgen und Susanne schrieb, ich denke es wird Zeit, das wir uns sehen. Uwe war überglücklich. Soll ich zu dir kommen, schrieb er. Nein, antwortete sie, zuerst ein treffen ohne Kinder. Sie machten noch den Treffpunkt aus und Susanne wurde plötzlich ganz nervös. Was tat sie da? Was ist, wenn er nun ganz anders war, als sie sich ihn vorgestellt hatte. Ein Foto hatte sie noch nicht von ihm bekommen und damit sie ihn erkennen konnte, wollte er mit einem Blumenstrauß erscheinen.

Sie stand vor dem Kleiderschrank, was sollte sie anziehen? Sie zitterte vor Aufregung und rief sich zur Ruhe. Nach dem sie ihre Kinder zur Oma brachte, fuhr sie zu dem Treffpunkt. Natürlich viel zu früh. Sie bestellte sich schon mal einen Kaffee, um ihre Nerven zu beruhigen. Nun beobachtete sie jeden, der herein kam, aber das machte sie noch kribbeliger. Plötzlich stutzte sie, um Himmelswillen, ihr Exmann kam rein. Ausgerechnet heute.

Susanne kam ins Schwitzen, hoffentlich sah er sie nicht. Doch, er kam direkt auf sie zu. Ihre Knie fühlten sich an wie Pudding, in ihrem Kopf drehte sich alles. Das konnte doch nicht sein, das sie noch soviel für ihn empfand. Er stand vor ihr und nahm sie einfach in den Arm und Susanne konnte nicht anders, sie hielt sich an ihm fest. "Oh, vorsicht, der Blumenstrauß!" sagte er und überreichte ihn ihr. Susanne stutzte, einen Blumenstrauß, er hier? Sie sah ihn ganz verwirrt an. "Ja, meine Liebste, ich bin es, der Uwe." Bevor Susanne etwas erwidern konnte, schloß er ihren Mund mit einem Kuss
.

Tastend suchend im Netz... tolles Profil entdeckt... per Tele vorsichtig angesprochen...
direkt ueberrascht.. gut verstanden... gemeinsame Interessen.
Neugier geweckt... Mails getauscht... immer oefter auf Post gehofft...
Verabredungen im Netz.
Privates preisgegeben... Zuviel User stoerten... Privatraeume aufgesucht...geheime Verstecke.
Zuerst schuechtern... dann Offenheit... Vertrauen geschaffen...
Das erste Mal Cybermaessig abgehoben.
Gefuehle im Spiel.. Kribbeln im Bauch... Knistern im Netz..
Tiefverschuettetes ausgegraben... staunend Sehnsucht entdeckt...
immer staerker...immer mehr.
Unbewusst verliebt... in Deine Worte... in Deine Art...
in Deine Ausdrucksweise... in Deine Spaesse...
in Dein grosses Herz... und in die Vorstellung von Dir...
doch noch nie gesehen!!!
Bombeneinschlag...voll erwischt !!!...
Auf Wolken schweben... lachen...albern sein wie 2 Kinder...
glueckstrahlende Augen...
erotische Anziehungskraft... Geschehen unaufhaltbar...
Naechte durchgemacht... Liebe erlebt...
nie mehr voneinander lassen...Zeit verfliegt...
Traenen zum Abschied... Schmerzliches vermissen...
Alles Schicksal???...
Das Ende???...
Ein Wiedersehen???...
oder fuer immer nur.....
...Erinnerungen und 2 gebrochene Herzen????...

                                                           Mit 55 Jahren ...

 

Wenn mir jemand vor 5 Jahren gesagt hätte, dass ich mich in meinem Alter (55) noch einmal verlieben würde, ich hätte ihn ausgelacht. Aber wie das Leben so spielt: Es ist passiert.
Ich bin 32 Jahre verheiratet, 2 große Söhne und eine sogenannte "Nur"-Hausfrau. Vor 4 Jahren saß ich das erste Mal an einem PC (gehörte meinen Jungen) und lernte bald auch das Chatten.
Da mein Mann seit Jahren krank ist, wurde der PC meine Verbindung zur Welt draussen. In dem Raum, den ich besuchte, war unter anderem auch ein sehr netter Mann aus Thüringen.
Ich merkte bald, dass ich drauf wartete, dass er online kam. Wenn ich dann seinen Namen auftauchen sah, bekam ich weiche Knie und zittrige Hände. Lange Zeit wollte ich es gar nicht wahr haben, dass ich so reagierte.

In meinem Alter...verheiratet...Mutter...und, und, und. Das passierte allen anderen, aber doch nicht mir! Als ich aber dann merkte, dass auch ER so dachte und fühlte, gestand ich mir meine Gefühle auch ein: Ich war verliebt!

Wie ein Teenager. Mit allem Drum und Dran: Herzchen malen, träumen, singen, lachen, heulen.
Dann wollten wir uns natürlich auch live erleben. Auf halber Strecke zwischen Ost und West trafen wir uns, beide nervös und ängstlich, wie 17jährige. Doch kaum sahen wir uns, war alles ganz einfach.
Wir verbrachten ein wunderschönes, albernes, lustiges, fröhliches und glückliches Wochenende zusammen, und wir waren sehr traurig, als wir uns wieder trennen mussten. Das ist nun 4 Jahre her, und wir sind immer noch "zusammen".

Leider hauptsächlich nur online, da es uns wegen unserer familiären Verpflichtungen nur ganz selten möglich ist, uns zu treffen. Ich möchte die Beziehung aber um nichts in der Welt missen, denn es ist wunderschön, jemanden zu haben, von und mit dem man träumen kann.
Ich hoffe, wir halten auch noch die nächsten Jahre durch.
Es ist eine Geschichte, wie viele andere auch, aber für mich ist sie wichtig !:-)
 

 

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